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Im Gespräch

Was bewirkt die EU-Politikreform in der Praxis?
*Ralf Hägele ist Vorsitzender des Agrarunternehmen Barnstädt e.G., Sachsen Anhalt (6.300 ha LF, 30.000 Schweine, 3.200 Rinder).
* Die Fragen stellte Dr. Thomas Tanneberger (Bauernzeitung, 47.Woche 2011)

Alle Streiten derzeit über die Zukunft der EU-Direktzahlungen. Braucht ein so großes Agrarunternehmen wie Barnstädt denn überhaupt Geld von der EU?  Sicher. Wir beschäftigen 172 Mitarbeiter ganz überwiegend in der Tierproduktion, die in den letzten Jahren ja bekanntlich nicht gerade durch hohe Rentabilitäten geglänzt hat. Besonders im Schweinebereich geht es arg rauf und runter. Obgleicht wir noch fast durchweg in Altanlagen arbeiten, wären viele der insgesamt zehn Standorte ohne Brüssel nicht weiter zu betreiben. Daher hätte ein Wegfall der EU-Gelder vor allem für unseren Landkreis erhebliche Folgen. Deshalb wäre es nur logisch, wenn die Kommunen die Landwirtschaft ideell mehr unterstützen würden.
Die derzeit aktuellen Entwürfe sehen aber die Kappung der einkommensstützenden Direktzahlungen bei 300.000 € vor. Wieso sind sie da so ruig? Ruig sind wir nicht, aber wir machen auch keine Panik. Denn bisher gehen wir davon aus, das der Kommissar Wort hält und die Arbeitskräfte bei der Fördermittelberechnung berücksichtigt werden. Da wir sehr viel mehr Lohnkosten haben als wir derzeit E’U-Fördermittel bekommen, dürfte uns die Kappung nach bisherigen Erkenntnissen nicht treffen. Von uns aus könnte die EU unter diesen Bedingungen die Direktzahlungen auch bei 75.000 € kappen. Dann würde es wenigstens diejenigen mehr treffen, die nichts für die ländliche Beschäftigung tun.  Die Zahlungen müssten aus unserer Sicht generell stärker an den Arbeitsplätzen orientiert werden. Entscheident ist doch nicht das Wohl eines Hektars, sondern das der Menschen in den Dörfern.
Studien weisen aber seit Jahren darauf hin, dass bei beschäftigungsorientierten Fördermodellen Missbrauch auftreten kann. Wie kann man das umgehen? Gerade der Faktor Beschäftigung ist doch bei uns bestens kontrolliert. Und außerdem lohnt sich das nicht, Leute in Größenordnungen anzustellen, nur um Fördermittel abzugreifen, die man ansonsten nicht bekommt. Denn zumindest wir Großbetriebe stehen betriebswirtschaftlich schon wegen des Fremdkapitals unter strenger Beobachtung.
Was aber, wenn die Kappung ohne Berücksichtigung der Lohnkosten kommt? Darüber denken wir nach wenn es soweit ist. Und wenn der Kommet wirklich kommt, gehen wir ins Kino und nicht in den Bunker.
Und Ernsthaft?  Wir sollten uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass es irgendwann gar keine EU-Förderung mehr geben wird. Das wird eine Riesenumstellung, aber dann wird zum Beispiel auch der Boden billiger. Alle treiben die Preise hoch, die zugereisten aus der Köln-Aachener Bucht, die Bayern und Investor Wenzel. Die BVVG schrieb unlängst für 24.000 € pro Hektar aus. Das bedeutet bei 5% Verzinsung etwa 1.000 € Jahrespacht. Wer kann das noch realistisch erwirtschaften?
Zu allem kommt nun noch das Greening. Wie sehen Sie diese Vorschläge? Diese Öko-Stillegung funktioniert so nicht, den sie passt nicht in die Rotation. Wir brauchen langfristig einen Biotopverbund. Aber welche Flächen soll ich stilllegen? Wenn wir Windschutzstreifen Pflanzen, dann sind da viele Verpächter betroffen, und alle müssen einverstanden sein. Das gleiche gilt für Maßnahmen des Hochwasserschutzes. Kurz wenn langfristig ökologische Maßnahmen greifen sollen, brauchen wir Flurneuordnung in Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Kommunen. Und die kosten Zeit und Geld.